Identity Security: Das Fundament für Zero Trust

Allein im letzten Jahr zeigten Hunderte schwere Vorfälle, dass der klassische Netzwerkschutz ausgedient hat. Die Identität ist das neue Hauptangriffsziel. Wer Zugriffe nicht konsequent kontrolliert, lässt die digitale Vordertür offen. Erfahren Sie im Blog, warum Zero Trust bei der Identität beginnt und wie Sie Sicherheitslücken mit unserem Selbstcheck sofort aufdecken.

Avatar von Daniel Thurau

Lesedauer: ca. 4 min.

Sicherheit neu denken: Schutz beginnt bei der Identität

Die digitale Arbeitswelt ist schneller, vernetzter und komplexer als je zuvor. Mitarbeitende greifen von überall auf Anwendungen und Daten zu, externe Partner werden eingebunden, und die Zahl der Maschinenidentitäten explodiert. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Compliance, Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Genau hier liegt die Schwachstelle vieler Konzepte: Es wird weiterhin viel Energie in den Schutz von Systemen und Netzen gesteckt, während die Identitäten selbst oft vernachlässigt werden. Dabei entscheidet längst die Identität darüber, wer Zugang zu kritischen Daten und Prozessen erhält. Identity Security ist deshalb der erste Schritt zu einer Sicherheitsstrategie, die mit der Realität moderner IT Schritt hält.

Ein kompromittiertes Konto reicht aus

Montagmorgen, 8:40 Uhr. Ein Mitarbeiter meldet sich wie gewohnt an, öffnet E-Mails und startet die ersten Anwendungen. Was niemand ahnt: Ein Angreifer hat sich bereits über ein kompromittiertes Konto Zugang verschafft. Wenige Minuten später werden Berechtigungen ausgeweitet, Daten abgegriffen und interne Ressourcen missbraucht.

Solche Szenarien sind Alltag. Sie zeigen, wie schnell Identitätsmissbrauch eskaliert, wenn Zugriffe nicht lückenlos kontrolliert werden. Genau hier setzt Zero Trust an: „Never trust, always verify.“ Keine Identität wird automatisch vertraut, jeder Zugriff wird geprüft, und Berechtigungen müssen jederzeit nachvollziehbar sein. Ohne Identity Security bleibt dieses Modell jedoch reine Theorie.

📊 Das Risiko in Zahlen

Die Dimension des Problems wird durch den aktuellen Identity Security Landscape Report deutlich:
9 von 10 Organisationen erlebten bereits einen erfolgreichen identity-zentrierten Angriff.
Maschinenidentitäten (Schnittstellen, Bots, IoT) übersteigen menschliche Identitäten inzwischen um mehr als 80 zu 1.
49 % der Unternehmen fehlt die vollständige Sicht auf Berechtigungen und Zugriffe in der Cloud.
72 % der Mitarbeitenden nutzen regelmäßig KI-Tools – aber fast 70 % der Firmen haben dafür noch keine Identity-Security-Kontrollen etabliert.

Was moderne Identity Security leisten muss

Identity Security bedeutet weit mehr als klassische Benutzerverwaltung (IAM). Es geht darum, den gesamten Lebenszyklus einer Identität im Blick zu behalten: vom Onboarding über den Rollenwechsel bis hin zur Deaktivierung beim Offboarding. Das gilt für Mitarbeitende ebenso wie für Dienstkonten, Service-Accounts und Maschinenidentitäten.

Entscheidend sind klare Prozesse und technische Kontrolle.

  • Eindeutige Rollen: Wer darf was – und warum?
  • Regelmäßige Rezertifizierung: Berechtigungen müssen zyklisch überprüft werden.
  • Besonderer Schutz für Privileged Accounts: Administrator-Rechte brauchen granulare Überwachung.
  • Lückenlose Transparenz: Wo diese Grundlage fehlt, entstehen Schattenkonten und unnötige Risiken im Tagesgeschäft.

Fehlende Transparenz als größter Risikofaktor

In gewachsenen IT-Umgebungen ist oft nicht mehr klar nachvollziehbar, welche Identität welchen Zugriff besitzt, wer diese Rechte einmal genehmigt hat und ob sie überhaupt noch benötigt werden. Hier entstehen gefährliche Berechtigungs-Anhäufungen („Privilege Creep“).

Besonders kritisch wird es bei privilegierten Zugängen. Hier reichen kleine Fehler oder unentdeckte Lücken aus, um weitreichende Schäden im gesamten Netzwerk zu verursachen. Deshalb braucht es ein Modell, das Rechte nicht nur einmalig vergibt, sondern sie konsequent überwacht, bewertet und bei Bedarf automatisiert wieder entzieht.

Unser Fokus: Der ganzheitliche Ansatz

Wachsende Cloud-Umgebungen, hybride Infrastrukturen und immer mehr externe Zugriffe erfordern mehr als isolierte Einzelmaßnahmen (Silo-Lösungen). Gefragt ist ein pragmatisches Sicherheitskonzept, das Identitäten systematisch steuert.

Dazu gehören fünf Kernbaugruppen:

  1. Volle Sichtbarkeit: Transparenz über alle menschlichen und maschinellen Identitäten.
  2. Minimale Rechtevergabe: Konsequente Umsetzung des Least-Privilege-Prinzips.
  3. Lebenszyklus-Management: Governance von der Erstellung bis zur Löschung.
  4. Schutz der Kronjuwelen: Erhöhte Sicherheitsbarrieren für privilegierte Konten.
  5. Messbarkeit: Klare Kennzahlen für Risiko und den eigenen Reifegrad.

Fazit: Erst wenn diese Elemente ineinandergreifen, wird aus einer reinen Identitätsverwaltung echte Identity Security. Wer Zugriffe nicht konsequent kontrolliert, kann weder Risiken wirksam begrenzen noch Compliance dauerhaft sicherstellen. Zero Trust ist kein Produkt, das man kauft – es ist eine Strategie. Und ihr Fundament ist die Identität.


SELBSTCHECK:
Wie sicher sind Ihre Identitäten wirklich?

Mit dieser kompakten Checkliste prüfen Sie in wenigen Minuten, wie robust Ihre Organisation beim Thema Identity Security aufgestellt ist.

🔳 Status-Check: Identitäten & Zugriffe
  • Vollständiges Inventar: Sind alle Benutzerkonten, Service-Accounts und administrativen Zugänge lückenlos und zentral erfasst?
  • Least-Privilege-Prinzip: Werden Berechtigungen konsequent nach dem Prinzip der minimalen Rechte vergeben (nur das, was für die Arbeit absolut nötig ist)?
  • Prozess-Sicherheit: Gibt es einen standardisierten, gelebten Prozess für Onboarding, Rollenwechsel und Offboarding von Mitarbeitenden?
  • PAM (Privileged Access Management): Werden privilegierte Konten (Admins) besonders geschützt, isoliert und regelmäßig überwacht?
  • MFA als Standard: Sind Multi-Faktor-Authentifizierung und moderne, starke Anmeldeverfahren für alle kritischen Zugriffe aktiv?
  • Hygiene im Verzeichnis: Werden ungenutzte, veraltete oder doppelte Konten (Leichen) automatisiert oder regelmäßig manuell entfernt?
  • Sichtbarkeit: Besteht jederzeit Transparenz darüber, wer aktuell auf welche Systeme, Cloud-Dienste und Daten zugreifen kann?
  • Rezertifizierung: Werden Zugriffsrechte in festen Abständen (z. B. quartalsweise) durch die Fachbereiche überprüft und bestätigt?
  • Nicht-menschliche Identitäten: Sind Maschinenidentitäten, APIs und technische Konten fest in die Sicherheitsstrategie eingebunden?
  • Clear Governance: Gibt es intern eindeutig definierte Zuständigkeiten für Identity Security und Governance?
Erste Einordnung & Ihr nächster Schritt

Haben Sie zwei oder mehr Fragen mit „Nein“ oder „Unsicher“ beantwortet? Dann besteht sehr wahrscheinlich konkreter Handlungsbedarf. Bereits kleine Lücken in der Identitätsverwaltung führen schnell zu unentdeckten Überberechtigungen und erhöhen Ihre Angriffsfläche drastisch.

Identity Security ist komplex, aber die Umsetzung muss nicht kompliziert sein. Es kommt auf die passenden, auf Ihr Unternehmen zugeschnittenen Schritte an.

Möchten Sie Ihre aktuelle Situation fundiert bewerten? Lassen Sie uns ganz pragmatisch und unverbindlich über Ihre Ausgangslage sprechen. Gemeinsam identifizieren wir die wichtigsten Hebel für Ihre Zero-Trust-Strategie.

Über Idira

Idira ist die Next-Generation-Identity-Security-Plattform von Palo Alto Networks. Sie führt die langjährige, marktführende Expertise von CyberArk im Bereich des Privileged Access Management (PAM) mit moderner, KI-gestützter Identitätsabsicherung auf einer einzigen Steuerungsebene zusammen.

Der technologische Shift: Während der Fokus von CyberArk traditionell auf dem Schutz menschlicher Administratoren und deren Passwörtern lag („Tresor-Modell“), erweitert Idira diesen Schutz radikal. Die Plattform sichert lückenlos alle Identitäten ab – menschliche Mitarbeiter ebenso wie die rasant wachsende Zahl an Maschinenidentitäten, APIs und autonomen KI-Agenten.

Idira bildet damit das technologische Herzstück, um die im Blogbeitrag beschriebene Identitäts-Transparenz und Zero-Trust-Architektur in der Praxis umzusetzen.